CD: textes en allemand


Klassische Musik spielt schon von Anfang an eine bedeutende Rolle im Konzept von Dille & Kamille. Die Musik trägt stark zur besonderen Atmosphäre in den Läden bei.

Dille & Kamille will jungen Musikern die Chance bieten ihr Talent mit dem Publikum zu teilen und sie beim Ausbauen einer professionellen Karriere unterstützen. Ausgehend von dieser Idee ist ein CD-Reihe entstanden.


In Zusammenarbeit mit der Stiftung 'Haren & Snaren‘ wurde für den ersten Teil dieser Reihe das Anima Quartet St. Petersburg auserwählt. Für den zweiten Teil der Reihe hat man sich für das Trio Martinu entschieden. Für den dritten Teil für Alexey Naumenko und Misha Fomin.
'Haren & Snaren‘ begleitet junge Musiker während der Überbrückungszeit zwischen dem Studienabschluss und dem Durchbruch auf der Konzertbühne.  

CD 1
Anima St. Petersburg Quartett

Im Jahre 2005 fassten vier begeisterte junge Studenten am Konservatorium von Sankt Petersburg den Entschluss, ein Streichquartett zu gründen: das Anima St. Petersburg Quartet. Neben ihrem individuellen Musikstudium studieren sie als Ensemble unter der Leitung von Prof. I. Levinzon, dem Cellisten des berühmten Taneyev Quartetts.

Das junge Quartett festigte seinen Ruf schon bald, als es 2008 den zweiten Preis im Internationalen Shostakovich Festival für Streichquartette in Moskau gewann. Im Jahre 2009 gewannen die Musiker den ersten Preis im Internationalen Festival „Franz Schubert und die Musik der Moderne“ in Salzburg und im Internationalen „Charles Hennen“ Wettbewerb in Heerlen in den Niederlanden.

Durch diese Glanzleistungen wurde das Quartett dazu eingeladen, unter der Leitung von Professor Stefan Metz an der renommierten Niederländischen Streichquartett Akademie (NSKA) Amsterdam zu studieren. Während dieses Studiums wurden sie auch von Mitgliedern des Alban Berg Quartetts, des Vogler Quartetts und vom berühmten Quartettpädagogen Professor Eberhard Feltz begleitet.

Das Anima St. Petersburg Quartett beteiligte sich an verschiedenen Festivals und Meisterkursen, wie das niederländische Orlando Festival, die Schubertiade Schwarzenberg in Hohenems (Österreich), das Festival Nordische Blumen in Russland. Daneben konzertierte das Anima Quartet bereits in Norwegen, Belgien, Frankreich, Italien und in den Niederlanden. Im Herbst 2010 wird das Quartet ein Studium bei Professor Eberhard Feltz an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin anfangen.
 

Obwohl der Terminus ‘Streichquartett’ bis zum Anfang des neunzehnten Jahrhunderts kaum gebraucht wurde, war das Genre im achtzehnten Jahrhundert schon durchaus vorhanden. Als ‘Vater’ des Streichquartetts – einer Komposition für vier Streichinstrumente, in der Regel zwei Geigen, Bratsche und Cello - gilt Joseph Haydn (1732-1809), der mit seinem Opus 9 (1769-1770) diese Form fest unterbaute, welche im nächsten Jahrhundert so beliebt werden sollte. Selbstverständlich war das Genre nicht “aus dem Nichts” erschaffen: im achtzehnten Jahrhundert wurden vierstimmige Werke für Streicher mit Bezeichnungen wie sinfonia komponiert (ein Terminus, der auch für instrumentale Einführungen mit Basso continuo der Kantaten benutzt wurde) oder sonata a quattro. In der bereits zwischen 1715 und 1725 komponierten Sonata a quattro per due violini, violetto e violoncello senza cembalo (!) von Alessandro Scarlatti finden wir ein frühes Beispiel einer Komposition, in der die Ebenbürtigkeit der vier Partien angestrebt wurde. Das klassische Streichquartett, wie wir das jetzt kennen, wurde aber namentlich in Süddeutschland, Böhmen und Österreich entwickelt. Dort komponierten Komponisten aus der Mannheimer Schule, wie Stamitz und Richter sogenannte Quartett-Symphonien. In Wien war das Divertimento beliebt. Praktisch war dies ein fünfteiliges Streichquartett, von dem die einzelnen Teile von kurzer Dauer waren, und in dem der Primarius deutlich überlegen war. Es ist Haydns Verdienst gewesen, diese Form weiter zum vierteiligen Streichquartett zu entwickeln, in dem auch die vier Partien einander ebenbürtig waren.

Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) nahm das dreiteilige Quartett mit der Solovioline, wie dies in Italien beliebt war (unter anderm vertreten von Sammartini), zum Ausgangspunkt für seine Quartette, die nach seiner Bekanntschaft mit Haydns Werk (Wiener Reise von 1773) vierteilig wurden, und in denen auch er eine größere Ebenbürtigkeit der vier Partner anstrebte. Dieser Prozess kannte einen Höhepunkt in den sechs Haydn Quartetten (1782-1785), seinem Freund Haydn gewidmet und geschrieben nach dem Vorbild von dessen Opus 33. Mit diesen Werken sollte er an seiner Stelle namentlich in harmonischer Hinsicht Haydn beeinflussen. Nur vier Quartette sollten noch folgen: das Hoffmeister Quartett KV 499 in D-Dur aus dem Jahre 1786 und die drei als ‘Preußische Quartette’ bekannt gewordenen Werke KV 575 (in D-Dur), KV 589 (in B-Dur, und geschrieben im Mai 1790) und KV 590 (in F-Dur), geschrieben für den fürstlichen Cellisten. König Friedrich Wilhelm II. hatte eine  nie gekannte Liebe und Achtung für die Musik; selber war er ein verdienstlicher Amateurcellist. Mozart wusste den Fürsten auf raffinierte Weise an sich zu binden, indem er in diesen Quartetten einerseits dem Cello eine viel prominentere Rolle zuteilte als üblich war, und andererseits die Quartette musikalisch zugänglicher machte als die ‘vergeistigte’  Haydn-Serie.

In der Person von Franz Schubert (1797-1828) erreichte das Streichquartett nach der Periode der Wiener Klassik einen neuen Meilenstein. Mit mehr als 20 Streichquartetten lieferte er einen wichtigen Beitrag zu diesem Genre. Das Streichquartett Nr. 8, Opus 168 in B-Dur (D112) datiert aus dem Jahre 1814 und ist somit ein Jugendwerk. Es wäre innerhalb von acht Tagen (vom 5. bis zum 13. September) komponiert worden. Obwohl es hier an der Verschiedenheit der Form noch fehlt, welche bezeichnend ist für Schuberts späteren Quartettstil, ist die in den Eckteilen anwesende Großzügigkeit als neuer Schritt vorwärts bei Schubert umschrieben. Dass dieses Quartett schon bald beliebt wurde, möge unter anderm aus der Tatsache hervorgehen, dass der Komponist Hugo Ulrich (1827-1872) davon eine Bearbeitung für vierhändiges Klavier machte. Der prachtvolle ‘Mozartsche’ zweite Teil, Andante sostenuto, hat einen äußerst lyrischen Charakter. Es ist denn auch kein Zufall, dass gerade dieses Quartett von Schubert neben KV 589 auf dieser CD erscheint.

Prof. dr. Albert Clement
(Aus dem Niederländischen von Drs. Julius E.F. Röntgen)

 

CD 2
Trio Martinů

Das Trio Martinů wurde am Prager Konservatorium gegründet, ursprünglich unter dem Namen „Academia Trio“.  Während des Studiums am Konservatorium und der Teilnahme an verschiedenen Meisterkursen entwickelte sich das Ensemble unter der Leitung von namhaften Musikern der Kammermusik der ganzen Welt, wie Antonin Kohout, Michael Schnitzler, Sandor Devich und Menahem Pressler.

Schon nach einigen Jahren empfing das Trio Martinů den Preis der Tschechischen Gesellschaft für Kammermusik des Tschechischen Philharmonischen Orchesters, einen Preis, der jährlich verliehen wird.

Das Trio ist inzwischen ein regelmäßiger Gast während wichtiger europäischer Festivals wie das Prague Spring Festival, das Schleswig-Holstein Musik Festival und das Sommerfestival in Sion. Das Trio Martinů konzertierte in den berühmstesten Konzertsälen Europas (im Rudolphinum Prag, im Vredenburg  Utrecht und im Doelen-saal Rotterdam) und Japans (im Tokyoter Musashino). Im Jahre 2005 vertrat das Trio Martinů die Republik Tschechien auf der Weltausstellung in Japan.
 

Die Geschichte des Klaviertrios – ein Kammermusikensemble gebildet aus dem Klavier und zwei anderen Instrumenten, in der Regel Geige und Cello – fängt in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts an, steht aber nicht für sich. Das Genre ging nämlich hervor aus der barocken Sonate für zwei oder drei Instrumente in der Besatzung Basso Continuo (Cembalo und Orgel, eventuell mit der Ergänzung eines tiefen Streich- oder Blasinstruments)  und eines konzertierenden Instruments (z.B. Geige, Flöte oder Oboe). Die Rede war von drei ebenbürtigen Partien, von denen zwei der Basso Continuo Gruppe anvertraut waren. Diese zwei Partien, notiert als bezifferter Bass und Oberstimme, wurden anfangs beide vom Cembalisten oder vom Organisten gespielt, aber schon bald entstand namentlich im deutschen Sprachraum der Brauch, dessen Basslinie colla parte von einem Cellisten mitspielen zu lassen. Dieser Sonatentyp war der unmittelbare Vorläufer des klassischen Klaviertrios. Der Komponist – und brillanter Cembalist – Johann Schobert (ca. 1735–1767) war einer der ersten, der nicht nur die barocke Notation im bezifferten Bass durch vollständig ausgeschriebene Partituren ersetzte, sondern auch die Cellopartie ganz verselbständigte.

Joseph Haydn (1732-1809) gehörte zu denjenigen, die das klassische Klaviertrio aus der Taufe hoben. Davon komponierte er einige Dutzend. In seinen frühen Klaviertrios herrscht das barocke Klangidiom noch vor, und ist die Rolle des Cellos beschränkt, aber seine späteren Werke im Genre bringen deutlich zum Ausdruck, welche enorme Entwicklung bei ihm stattgefunden hat. Zu diesen Werken gehören die drei Klaviertrios Nr. 43-45 in C-Dur, E-Dur und Es-Dur (Hob. XV/27-29), die 1797 bei Longman & Broderip in London in Druck erschienen. In diesem Jahr erschienen schon Haydns letzte Klaviertrios in Druck (der erste Druck seines Opus 42 erfolgte später in jenem Jahr in Wien). Die drei unter dem Titel “3 Sonaten” veröffentlichten Kompositionen Hob. XV/27-29 waren der hervorragenden Pianistin Therese Bartolozzi (geb. Jansen), einer Schülerin von Muzio Clementi, gewidmet. Das im strahlenden C-Dur geschriebene Klaviertrio ist ein ausgezeichnetes Beispiel von Haydns ausgereiftem Stil als Komponist von Klaviertrios. Nach Haydn wurde das Genre des Klaviertrios namentlich im deutschen Sprachraum von einer bedeutenden Anzahl Komponisten gepflegt. Mozart, Beethoven, Brahms, Mendelssohn, Schumann und Schubert (1797-1828) gehörten zu den wichtigsten Vertretern.

Franz Schuberts Anteil daran ist in quantitativer Hinsicht mit nur zwei Klaviertrios – seine Klaviertrios in B-Dur (D 898) und Es-Dur (D 929) – bescheiden. Das Klaviertrio in Es-Dur, das 1828 vom Verleger Heinrich Albert Probst in Leipzig als Opus 100 veröffentlicht wurde, nimmt aber innerhalb Schuberts Oeuvre eine Sonderposition ein. Es ist nämlich eine seiner letzten Kompositionen, datiert 1827. Die Ausgabe durch Probst, sehr kurz vor dem Tod Schuberts, hat der Komponist selber nicht mehr gesehen, aber diese Ausgabe hat in Norddeutschland sehr zu Schuberts Ruf als Komponist von Kammermusikwerken beigetragen. Schuberts zweites Klaviertrio steht was die Atmosphäre betrifft in einem scharfen Gegensatz zum einige Wochen vorher komponierten Klaviertrio in B-Dur. Er schrieb sein zweites Trio, dem er selbst vorzog, auf die Bitte seines sehr guten Freundes Joseph Ritter von Spaun (1788-1865) für dessen Hochzeit am 14. April 1828. Die zwei Männer waren damals schon 20 Jahre befreundet. Vom vierteiligen Werk ist namentlich der zweite Teil (Andante con moto), von dem unten der Anfang des Hauptthemas erscheint, sehr beliebt geworden. In späterer Zeit ist diese Musik auch oft dankbar in der Filmwelt benutzt worden. Im vierten Teil (Allegro moderato) seines Klaviertrios greift Schubert zurück auf das Thema aus dem zweiten Teil. Dies war eine Neuheit in der Geschichte des Klaviertrios – eine Technik, die nach ihm von anderen Komponisten übernommen werden sollte.

Prof. dr. Albert Clement
(Aus dem Niederländischen von Drs. Julius E.F. Röntgen)

CD 3
Alexey Naumenko/ Misha Fomin

Alexey Naumenko
Alexey Naumenko studierte am Konservatorium St. Peterburg unter der Leitung von Prof. Vladimir Ovcharek. Er gastierte bei vielen russischen Orchestern, beteiligte sich an internationalen Festivals und gewann den zweiten Preis in der ‘Young Musicians International Competition Virtuosi 2000’. Im Jahre 2000 gründete Alexey Naumenko in St. Peterburg das Atrium String Quartet, mit dem er als Primarius große Preise gewann, wie den ‘First Prize and Audience prize of the London String Quartet Competition in 2003’ und den sehr angesehenen ‘Premier Grand Prix du Concours International de Quatuor à cordes de Bordeaux 2007’.

Misha Fomin
Misha Fomin absolvierte seine Studien Cum Laude an der Musikakademie Gnessins. Nach einer erfolgreichen Solokarriere in Russland setzte er seine Studien an der Hochschule für Musik “Franz Liszt” in Weimar und am Amsterdamer Sweelinck Conservatorium fort.
Sein erstes Recital im Wiener Musikverein 2009 wurde mit großer Begeisterung vom Wiener Publikum empfangen. Zu seinen rezentesten und erfolgreichen Konzerten gehörten die in der Carnegie Hall New York und im Concertgebouw Amsterdam.


Schubert: Sonatinen und Sonate in A-Dur

Wenn man den Anteil der Geige innerhalb der Kammermusikwerke Schuberts betrachtet, so denkt man dabei als Spieler und Zuhörer vor allem an die beiden Klaviertrios, die Streichquartette, das Forellenquintett und das großartige Streichquintett. Demgegenüber stehen nur sechs Werke für Geige und Klavier. Hätte die Geige ihn als Soloinstrument etwa weniger angesprochen?

Weil Schubert sich vorzugsweise in einem verhältnismäßig kleineren musikalischen Idiom zum Ausdruck bringt, kann man gut verstehen, dass die Geigenpartie in jenem bescheidenen Duorepertoire durchaus keinen virtuosen Charakter hat. Das Klavier dagegen spielt eine prominentere Rolle und diese Partie ist denn auch mehr ausgearbeitet, eine Folge der zunehmenden Affnität zum Instrument. Man denke dabei auch an Schuberts Lieder (gut 600 Kompositionen), in denen das Klavier gewiss nicht eine rein begleitende Rolle spielt.

Franz Schubert erhielt Geigenunterricht von seinem Vater, spielte im häuslichen Bereich sowohl die Violine wie die Bratsche und war als Schüler der Kaiserlichen Chorschule in Wien  Primarius im Studentenorchester. Er kannte sich also im Instrument gut aus.

Die ersten Werke für Violine und Klavier stammen alle aus dem Jahre 1816 und wurden ursprünglich von Schubert selbst als Sonaten angedeutet. Zwanzig Jahre später wurden die drei Kompositionen von Diabelli verlegt, die seitdem als “Sonatinen” bekannt  sind. In erster Hinsicht leicht spielbar, sind sie auch für (fortgeschrittene) Liebhaber dankbare Werke.

Die Sonatine in g-Moll ist dabei die am meisten vorgeführte der drei, die in a-Moll die am wenigsten gespielte. Beide sind vierteilig, - dies im Gegensatz zur ersten Sonatine in D-Dur, die drei Teile kennt und bescheidener konzipiert ist. Gerade durch die einmalige Weise, wie Schubert in der Sonatine in a-Moll Modulationen durchführt, gibt vor allem diese Sonatine ein Zeugnis großer, musikalischer Qualität her. In dem klassisch konzipierten Werk sind romantische Einflüsse schon spürbar.

In der Sonate A-Dur aus dem Jahre 1817 – die bei der ersten Ausgabe 1851 den Namen “Duo” bekam – ist schon eher der Einfluss Beethovens hörbar in der Form: das Menuett wird zum Scherzo. Neben einer reicheren Thematik erhält das Klavier deutlich eine eigene Identität: der Komposnist betrachtet beide Partien als gleichwertig. Das ist vor allem der Fall im Andantino. Das Allegro vivace erinnert sicherlich an die schnellen Teile der Sonatinen, hat aber einen komplizierteren Charakter.

In den Jahren 1826-27 schrieb Schubert die restlichen zwei Kompositionen für Violine und Klavier, ein Rondo in h-Moll und eine Fantasie in C-Dur. Nur einige Jahre vor seinem Tod entstanden, sind es zweifellos reifere Werke als die vier aus den Jahren 1816-17. Aber in Händen von zwei Musikern, die im Stande sind, den musikalischen Reichtum der drei Sonatinen und das Duo zu ergründen, sind diese Werke der Beweis dafür, dass Schubert auch in seiner mittleren Schaffensperiode unter der Oberfläche von scheinbar einfachen Melodien eine Vielzahl von Emotionen erklingen lässt.

Jeroen K. Floor
(aus dem Niederländischen von drs. Julius E.F. Röntgen)

 

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